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Einleitung
Alles was wir essen, trinken, einatmen oder auch fühlen wird von unserem Körper aufgenommen. Das heißt er muss auf irgendeine Weise damit zurechtkommen. Unsere Zellen sind dabei richtige Allround-Talente. Seit tausenden von Jahren haben sie sich an die Umwelt angepasst. Als Team haben sie immer bessere Strategien für unser Überleben entwickelt. Damals waren die Gefahren für den Menschen besonders Hungersnöte, Infektionen und Verletzungen. Also – wie haben sie das gemacht?

Energiespeicherung
Um zum Beispiel Hungerphasen zu überstehen, wurde vorher Energie aus der Nahrung eingespeichert,z.B. in Form von Fett im weißen Fettgewebe (Triglyceride) oder in Form von Zucker/Glukose in derLeber und den Muskeln (Glykogen). Diese Energie konnte dann später genutzt werden.

Blutzuckerregulation
Konnte man sich nicht mehr bewegen, zum Beispiel durch eine Verletzung, hieß das damals auch, dass wenig Energie über die Nahrung zugeführt werden konnte. Deshalb wurden die Zuckerreserven außerhalb des Körpers mobilisiert und im Blut angereichert. So konnte das Gehirn und auch das Immunsystem ausreichend mit Energie versorgt werden. Denn das Gehirn ist auf Glukose als Energiequelle angewiesen und auch das Immunsystem verbraucht mehr Energie bei einer Verletzung.

Kälte
Bei Kälte konnte der Körper Kalorien in Wärme umwandeln. Kälte aktiviert nämlich das braune Fettgewebe, in dem besonders viele Mitochondrien sitzen. Mitochondrien sind als die Kraftwerke der Zellen bekannt und können die Energie in Wärme umwandeln.

Hitze
Bei Hitze verändert sich der Blutfluss, sodass Wärme besser abgeleitet werden kann, wir fangen dann auch an zu schwitzen.

Abwehrsystem
Auch unser Abwehrsystem  hat sich immer weiterentwickelt. Von Geburt an sind wir ausgestattet mit einer Immunabwehr, die fremde Erreger erkennt und auf sie reagiert. Zudem erwerben wir im Laufe des Lebens einen Schutz gegen bestimmte Krankheitserreger. Spezifische Zellen, die B- und T-Zellen, können für jeden Krankheitserreger eine Abwehr bilden. Das war besonders wichtig um Infektionen zu überleben. Sie brauchen dafür nur etwas Zeit. Außerdem merken sie sich den Kontakt mit den Krankheitserregern und können bei einer erneuten Infektion sehr viel schneller reagieren.

Heutzutage

Die damaligen Gefahren für uns Menschen sind heute stark in den Hintergrund gerückt. So wie wir heute leben, macht es nur einen Bruchteil der Menschheitsgeschichte aus. Guckt euch mal die Zeitspanne an. Wir müssen nicht täglich ums Überleben kämpfen, und Hungersnöte und Tod durch Infektionen herrschen in den meisten Ländern nicht mehr vor. Grund dafür sind die hygienischen und medizinischen Verbesserungen, die Entdeckung der Antibiotika und der Einsatz von Impfungen.  

Wir haben aber noch viel mit den Menschen aus dieser Zeit gemeinsam. Unsere Zellen sind immer noch auf diese Zeit programmiert. Die Überlebensstrategien von früher wirken heute immer noch. Nur sind die Gefahren gar nicht mehr in der Form da.

Was heißt das nun für uns?   
Man weiß heute, dass unsere Zellen wahrnehmen, wie wir leben. Dieses „Wahrnehmen“ läuft über bestimmte Signalwege ab. Die Zellen reagieren auf äußere Reize und leiten diese als Signal ins Zellinnere weiter. Das führt dann zu einem bestimmten zellulären Effekt. In Wirklichkeit sind das sehr komplexe Prozesse, die in der Zelle ablaufen. Man nennt diesen Prozess auch Stoffwechsel – weil Stoffe umgebaut, aufgebaut oder abgebaut werden.  Man kann also sagen, die Zellen erkennen unseren Lebensstil. Und dieser hat Einfluss auf den Stoffwechsel.

Unsere Zellen treffen heutzutage auf ein anderes Umfeld als früher. Nahrung ist problemlos zu bekommen, sie ist heutzutage oft sogar im Überfluss da. Außerdem bewegen wir uns oft den Tag über viel weniger und wir sitzen viel und lange (Schule, Büro, Fernseher). Auch wenig Erholungsphasen, schlechter Schlaf und Schadstoffe aus der Umwelt sind recht moderne Phänomene.  

Evolutionär gesehen können wir unser Körper nicht so schnell an so eine neue Lebensstil anpassen, und unsere Zellen reagieren darauf mit einer Änderung von ihr Stoffwechsel. Das kann so weit führen das unser Abwehrsystem Entzündungen verursacht, unabhängig von Bakterien und Viren.

Diese durch den Stoffwechsel verursachte Entzündung nennt man Metaflammation (Metabolismus = Stoffwechsel, Inflammation = Entzündung). Die Anwesenheit von Metaflammation wird in Verbindung gebracht mit der Entwicklung von Erkrankungen, wie z.B. Adipositas, Diabetes, Krebs, Asthma und Alzheimer.   

Was Hilfen kann ist Anpassung der Lebensstil, um die Krankheiten vorzubeugen und Forschung nach den Prozesse, damit wir die besser verstehen und zukünftig möglich therapieren können.